Besucher einer Vernissage zerstört großen Keramik-Penis

Kunst | 30.10.2018 17:03

Anna Maria Bieniek - "I am not a Toy" (2018)

Gerade eine Stunde lang stand ein hüfthoher Keramik-Penis auf der Eröffnung des diesjährigen Herbstsalons im Kunstpalais des fränkischen Erlangens. Dann hat es laut gescheppert und jemand hat die teure Kunst zerdeppert. Eine von drei Phallus-Skulpturen des Kunstwerkes "I am not a Toy" der Künstlerin Anna Maria Bieniek ist umgestoßen worden und der obere Teil zerbrach in mehrere Teile. Jedoch nicht, wie ich im ersten Moment beim Lesen der Nachricht dachte, von einem Kunstzerstörer, einem Ikonoklasten, verübt, wie sie immer mal wieder Museen und Galerien heimsuchen, meist aus eifersüchtigen, religiösen oder politischen Gründen. Und ebenso wenig von einer militanten Feministin oder FEMEN-Aktivistin verübt, die ihren unbändigen Hass auf dieses Männlichkeitssymbol, und damit perfekte Symbol der patriarchalen Herrschaft, ausagiert hätte. (Dann wären sicherlich schnell alle drei Phalli zu Bruch gegangen.) Somit Entwarnung! Mitnichten also Geschlechterkampf und Terrorgefahr jetzt auch auf deutschen Kunstausstellungen. Sondern, wie die Presseagentur dpa und, unter anderem, die Süddeutsche Zeitung berichteten, sei ein als „tollpatschiger Mann“ beschriebener Ausstellungsbesucher über die auf dem Boden stehenden Skulpturen gestolpert und habe diese aufsehenerregend „geschrottet“.

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Ursprung des Ursprungs der Welt enthüllt

Kunst | 26.09.2018 16:03

Gustave Courbet - "L'Origine du Monde" (1866)

Wie Medien jüngst meldeten, sei nun bekannt, wer das Modell war, welches als Vorlage für das wohl berühmteste Gemälde der erotischen Kunst diente, für "L'Origine du Monde" / "Der Ursprung der Welt" von Gustave Courbet. Ein skandalöses Werk, über das sich das Kunst-Publikum des ausgehenden 19. Jahrhunderts mächtig echauffierte, obwohl es, genau genommen, kaum jemand zu Gesicht bekam und es nur als Mythos kursierte. Auch heute noch erscheint das berühmte Kunstwerk vielen als anstößig. 2014 weigerte sich die französische Post, den „Ursprung der Welt“ auf einer Briefmarke abzudrucken, da es Kinder verstören könnte. Und in diesem Jahr fiel ein Abbild des Kunstwerkes auf einem facebook-Profil der Zensur und darauf hin folgenden Schließung des Accounts zum Opfer. Den heutigen Leitmedien ist die Neuigkeit um den Skandal-Klassiker nun immerhin Anlass, das erotische Meisterwerk doch großflächig schamlos (also ohne zu kaschieren oder ohne das berühmte Feigenblatt/schwarzer Balken) zu präsentieren - wenn das mal bloß nicht die von Pädagogik verstörten Kinder in der Auslage am Zeitungskiosk sehen...

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In The Cut - Der männliche Körper in der feministischen Kunst

Events | 08.08.2018 15:13

Eunice Golden - Purple Sky (1969)

Die Sexualität als zentrales Thema in der Kunst war bis in die 1970er Jahre vornehmlich vom männlichen Blick auf den weiblichen Körper beherrscht. Mit der Emanzipationsbewegung und dem damit wachsenden Selbstbewusstsein der Frauen setzte auch die Befreiung ihrer Sexualität ein. Die neu gefundene Lust der Frau schlug sich auch in der Kunst nieder. Doch bis heute ist die Erotik aus der Sicht der Frau und eine damit einher gehende selbstbestimmte Sexualität keineswegs selbstverständlich. Die Ausstellung "In the Cut - der männliche Körper in der feministischen Kunst" in der Stadtgalerie Saarbrücken, wagt etwas, was es so bislang nicht gab. Der explizit erotische und begehrende (und nicht kritisch-moralinsaure) Blick von Künstlerinnen auf den Mann. Dies ist sicherlich keine Ausstellung für, auf den männlichen Körper besonders schamhaft reagierende Menschen, zumal die Pressemitteilung zur Ausstellung "viele nackte Tatsachen" verspricht.

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Sexismus-Skandal um eine Busenschnecke in Hannover

Erotik | 16.03.2018 18:11

Dr. Günter Haese - Die Busenschnecke Dori

Die aktuelle Sexismus-Debatte, seit der #metoo-Kampagne gegen sexuelle Belästigung von Frauen in der amerikanischen Filmindustrie, sprich in Hollywood, sorgt für viel sozialen Zündstoff, und treibt nun auch in Hannover fast kuriose Stilblüten aus. Pünktlich zum diesjährigen Coitus Interruptus der, durch erneuten Schneefall jäh wieder zerstörten ersten, sich zart entfaltenen Frühlingsgefühle bei den eher stoischen Niedersachsen, geht ein streitbarer Briefwechsel im Internet viral, den sich zwei hannoversche Würdenträger aus Politik und Wirtschaft zum Thema 'Sexismus' gerade liefern. Eine gute Gelegenheit, dass Galerie Liebreiz sich endlich auch einmal dem für manche leidigen, für andere durchaus amüsanten Thema widmet, zumal es auch in Bezug auf die erotische Kunst so hohe Wellen schlägt.

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Erotik, Kunst und Hingabe des Schlafes in Bremen

Events | 14.11.2017 11:11

Felix Valloton - Nu à l'echarpe verte, 1914

Die zurück gelehnte Schöne im Halbakt von Felix Valloton bildet das Leitmotiv der Ausstellung. Der grüne Schal, der sich nachlässig um die Hüfte der Schlafenden schlingt, korrespondiert elegant mit dem Streifenmuster der gleichfarbigen Tapete des Hintergrunds. Die Ruhe aber enthält eine sublime Spannung, mindestens macht sie den Betrachtenden unausweichlich zum Voyeur. Das Thema Schlaf fasziniert seit jeher Künstlerinnen und Künstler. Zahlreichen ungelöste Rätsel und Geschichten, ranken sich um diesen unbewussten Zustand und sind bis heute Motiv für unzählige Kunstwerke. 70 davon stehen nun im Fokus der Ausstellung im Bremer Paula Modersohn-Becker Museum, die sich dem Schlaf in der Kunst von fünf Seiten nähert: der private, der öffentliche, der erotische und der märchenhafte Schlaf sowie – zu guter Letzt – das Bett als Ort des (Künstler-)Schlafs.

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Näher dran am puren Nackten mit Lucian Freud

Events | 20.09.2017 12:35

Berühmt wurde Lucian Freud vor allem für seine Porträts, in denen er sich Menschen und Tieren mittels einer fast wissenschaftlichen Beobachtung näherte.Jetzt zeigt der Berliner Martin-Gropius-Bau in der Ausstellung "Closer" 51 Radierungen Freuds - eine Technik, der sich der 2011 verstorbene britische Maler und Enkel Sigmund Freuds erst in seinem Spätwerk ab 1982 verstärkt zugewandt hatte. Die Radierungen hätten es Freud erlaubt, seine "Bestandsaufnahme des Körpers" noch einmal zu intensivieren und noch näher an sein Objekt heranzukommen, ist im Pressetext zur Ausstellung zu lesen. Jede Ader, jede Hautfalte, jeder noch so kleine Makel, alles Intime liegt in seinen radikal-realistischen Bildern gnadenlos offen. Aber es ist die Art, wie er die Menschen sah. „Zu den aufregendsten Dingen gehört, durch die Haut hindurchzusehen, bis zum Blut, zu den Venen und Narben.“

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