Warum ist der Penis in der Kunst so klein?

Kunst | 22.08.2019 22:10

Detail von Michelangelos David in Florenz

Eine Kunsthistorikerin stellt sich die Frage, warum antike Statuen einen meist nur kleinen Penis besitzen? Der perfekte Körper aus weißem Marmor gehauen, geschliffen und poliert: stramme Waden, knackiger Podex, prall gespannte Muskeln, feinste Sehnenstränge, bloß der Penis wirkt zwischen den straffen Muskelpartien und klaren Konturen seltsam, unverhältnismäßig klein. Aber woran liegt das? Ellen Oredsson versucht diesem vermeintlichen Geheimnis der Kunstgeschichte in ihren Artikeln auf die Spur zu kommen. Wie sie durch Recherchen herausgefunden hat, entspricht die klassische Darstellung, bspw. beim Penis des David von Michelangelo jedoch durchaus einer Durchschnittsgröße des Penis beim Manne und ist somit eigentlich kein besonders hervorzuhebendes Merkmal. Zum anderen will sie herausgefunden haben, dass große Penisse in der antiken Kunstauffassung ansonsten weniger als Merkmale des Heldentums, sondern vielmehr von Heidentum, Einfältigkeit und Dummheit zu verorten seien. Dieser steilen, auf den ersten Blick etwas eingeschränkten These, will ich den Hinweis zur Seite stellen zur Seite stellen, dass der große bis erigierte Penis weniger in der verschämten, höfischen Kunst, sondern mehr im gemeinen Volke, weit über Ressentiment und Obszönität hinaus, eine freche, spitzbübische, schelmenhafte Beliebtheit genoss und zum immer wieder gerne aufgegriffenen Motiv und Symbol vor allem volkstümlicher Freiheitlichkeit, Fröhlichkeit und Lebenslust anschwoll.

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Local Penis Power

Erotik | 08.07.2019 12:51

In einer englischen Stadt wird zurzeit "die Macht des Penis" gepriesen. Damit ist aber eigentlich nicht direkt das männliche Geschlechtsteil gemeint, sondern seine symbolische Repräsentation. Seit über einem Jahr ärgerten sich die Bewohner in Acklam, einem Vorort von Middlesbrough im Nordosten Englands, über die tiefen Schlaglöcher auf ihren Straßen. Trotz diverser Anzeigen blieb die zuständige Behörde der Gemeinde untätig und ignorierte die nervigen Schadstellen beharrlich. Das sollte sich erst ändern, nachdem eine unbekannte Person, wohl aus der Nachbarschaft, auf die lustige Protestaktion kam, ihrem Ärger über die Schlaglöcher mit den Mitteln der Graffiti-Kunst Luft zu machen. Zum Stopfen der verhassen Löcher fehlte der Person aber die Power - im Sinne von public power. Der unbekannte Künstler oder die Künstlerin zeichnete stattdessen einfach riesige Penisse um die Schlaglöcher herum. Innerhalb von wenigen Tagen waren eines frühen Morgens, anstatt der Peniszeichnungen frisch geflickte Straßenschäden und, nicht nur für die morgendlichen Berufspendler zur Freude (Achtung Morgenlatte!), wieder eine glatte Straße vorzufinden, auf welcher der Verkehr wieder sanft gleitet und flutscht. Ob allerdings in Großstädten, als Regel der Ausnahme, ein derartiger Graffiti-Aktivismus ein taugliches Mittel gegen die Lustlosigkeit von Behörden zu handeln wäre, mag bezweifelt werden, solange penis power vor allem power of penetration meint.

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"Schei** auf die EU-Wahl"

Erotik | 08.05.2019 21:47

kommunisterna.org - Skit i EU-valet

Im (trotz anderweitiger Verlautbarungen aus den 50er-Jahren - Stichwort Anita Ekberg) ganz schön prüden Schweden sorgt gerade ein Parteienspot zur EU-Wahl für Diskussionen. Unter dem Titel „Am Wahltag gibt es bessere Dinge“ empfiehlt die dortige Kommunistische Partei, mit Liebemachen auf die Teilnahme an der Wahl zu verzichten. Die Aufnahmen, die zwei Verliebte beim Flirten und beim Sex zeigen, sind unterlegt mit einem fröhlichen Chorgesang, der singt: "Ich mach', was ich gern will..la..la..la..la" (oder so ähnlich) und gipfeln in dem Slogan: "Schei** auf die EU-Wahl". Zu sehen ist ein heterosexuelles, aber ausgesprochen feminin wirkendes, hellhäutiges Paar, beide mit blonden Haaren (wobei er seine besonders lang trägt), wie es zärtlich und lustvoll miteinander die erotische Lebenskunst zelebriert.

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Besucher einer Vernissage zerstört großen Keramik-Penis

Kunst | 30.10.2018 17:03

Anna Maria Bieniek - "I am not a Toy" (2018)

Gerade eine Stunde lang stand ein hüfthoher Keramik-Penis auf der Eröffnung des diesjährigen Herbstsalons im Kunstpalais des fränkischen Erlangens. Dann hat es laut gescheppert und jemand hat die teure Kunst zerdeppert. Eine von drei Phallus-Skulpturen des Kunstwerkes "I am not a Toy" der Künstlerin Anna Maria Bieniek ist umgestoßen worden und der obere Teil zerbrach in mehrere Teile. Jedoch nicht, wie ich im ersten Moment beim Lesen der Nachricht dachte, von einem Kunstzerstörer, einem Ikonoklasten, verübt, wie sie immer mal wieder Museen und Galerien heimsuchen, meist aus eifersüchtigen, religiösen oder politischen Gründen. Und ebenso wenig von einer militanten Feministin oder FEMEN-Aktivistin verübt, die ihren unbändigen Hass auf dieses Männlichkeitssymbol, und damit perfekte Symbol der patriarchalen Herrschaft, ausagiert hätte. (Dann wären sicherlich schnell alle drei Phalli zu Bruch gegangen.) Somit Entwarnung! Mitnichten also Geschlechterkampf und Terrorgefahr jetzt auch auf deutschen Kunstausstellungen. Sondern, wie die Presseagentur dpa und, unter anderem, die Süddeutsche Zeitung berichteten, sei ein als „tollpatschiger Mann“ beschriebener Ausstellungsbesucher über die auf dem Boden stehenden Skulpturen gestolpert und habe diese aufsehenerregend „geschrottet“.

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Ursprung des Ursprungs der Welt enthüllt

Kunst | 26.09.2018 16:03

Gustave Courbet - "L'Origine du Monde" (1866)

Wie Medien jüngst meldeten, sei nun bekannt, wer das Modell war, welches als Vorlage für das wohl berühmteste Gemälde der erotischen Kunst diente, für "L'Origine du Monde" / "Der Ursprung der Welt" von Gustave Courbet. Ein skandalöses Werk, über das sich das Kunst-Publikum des ausgehenden 19. Jahrhunderts mächtig echauffierte, obwohl es, genau genommen, kaum jemand zu Gesicht bekam und es nur als Mythos kursierte. Auch heute noch erscheint das berühmte Kunstwerk vielen als anstößig. 2014 weigerte sich die französische Post, den „Ursprung der Welt“ auf einer Briefmarke abzudrucken, da es Kinder verstören könnte. Und in diesem Jahr fiel ein Abbild des Kunstwerkes auf einem facebook-Profil der Zensur und darauf hin folgenden Schließung des Accounts zum Opfer. Den heutigen Leitmedien ist die Neuigkeit um den Skandal-Klassiker nun immerhin Anlass, das erotische Meisterwerk doch großflächig schamlos (also ohne zu kaschieren oder ohne das berühmte Feigenblatt/schwarzer Balken) zu präsentieren - wenn das mal bloß nicht die von Pädagogik verstörten Kinder in der Auslage am Zeitungskiosk sehen...

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In The Cut - Der männliche Körper in der feministischen Kunst

Events | 08.08.2018 15:13

Eunice Golden - Purple Sky (1969)

Die Sexualität als zentrales Thema in der Kunst war bis in die 1970er Jahre vornehmlich vom männlichen Blick auf den weiblichen Körper beherrscht. Mit der Emanzipationsbewegung und dem damit wachsenden Selbstbewusstsein der Frauen setzte auch die Befreiung ihrer Sexualität ein. Die neu gefundene Lust der Frau schlug sich auch in der Kunst nieder. Doch bis heute ist die Erotik aus der Sicht der Frau und eine damit einher gehende selbstbestimmte Sexualität keineswegs selbstverständlich. Die Ausstellung "In the Cut - der männliche Körper in der feministischen Kunst" in der Stadtgalerie Saarbrücken, wagt etwas, was es so bislang nicht gab. Der explizit erotische und begehrende (und nicht kritisch-moralinsaure) Blick von Künstlerinnen auf den Mann. Dies ist sicherlich keine Ausstellung für, auf den männlichen Körper besonders schamhaft reagierende Menschen, zumal die Pressemitteilung zur Ausstellung "viele nackte Tatsachen" verspricht.

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