Lars von Triers neuer Dreh heißt "Nymphomaniac"

17.09.2012 18:55

Shia LaBeouf, Unbekannte, Lars von Trier

Ein solch großes Treffen von Filmstars und Pressevertretern aus dem In- und Ausland gibt es in der Kölner Region nicht alle Tage. Dort dreht gerade der Kult- und Avantgarde-Regisseur Lars von Trier Szenen seines neuen Films "Nymphomaniac". Ausgerechnet die Sporthalle einer ehemaligen Schule für Lernbehinderte dient ihm als Kulisse für ein fiktives Basketball-Spiel. Na, ob dort erotische Stimmung aufkommt? Erinnert Ihr Euch? Der dänische Regisseur war der Skandalregisseur der Filmfestspiele in Cannes 2011, als er durch unüberlegte, umstrittene Äußerungen um seine Nazi-Sympathien letztlich zur 'Persona Non Grata', zur unerwünschten Person, erklärt wurde. Dabei wollte er nur sein betörend schönes und romantisches Weltuntergangsdrama 'Melancholica' präsentieren. Nun klar, der eigenwillige und provokante Regisseur ('Element of Crime', "Breaking the Waves', 'Dancer in the Dark' uvm.) hatte immer auch ein Faible für explizite Sexszenen. Was liegt also näher, als der schönsten Nebensache der Welt gleich einen ganzen Film zu widmen, wie mit seinem neuen Werk 'Nymphomaniac', nach 'Antichrist' wiederum mit Charlotte Gainsbourg.

 

FUCK-Tatoo - Lars von Trier weiß, was er in Nymphomaniac zeigen will

Die Stars und Sternchen stehen beim dänischen Regisseur Schlange, um eine der begehrten Rollen zu ergattern, auch wenn der von Depressionen geplagte Regisseur als ausgesprochen streng und schwierig gilt. Neulich stellten in dem Dörfchen Volkhoven/Weiler einige der Schauspieler den Film vor, der von Louise Vesth (Zentropa Entertainments) mit Bettina Brokemper (Zentropa International Köln) produziert wird. Lars von Trier selbst gibt seit dem Eklat über angebliche NS-Sympathien keine Interviews mehr. Die Darsteller Stellan Skarsgard, Charlotte Gainsbourg, Mia Goth, Stacy Martin und Shia LaBeouf jedoch lobten die Zusammenarbeit mit ihm. Er sei ein Genie mit Visionen, sagte Shia LaBeouf (Transformers). „Ich habe ihm einfach vertraut, weil ich seine großartige Arbeit kannte“, sagte Martin. Denn das detaillierte Skript und die starke Geschichte geben laut Vesth die Richtung vor, die natürlich wieder sehr dramatisch geraten wird.

In dem neuen Werk des Dänen erzählt Joe (Charlotte Gainsbourg), eine selbst ernannte Nymphomanin, dem alten, charmanten Junggesellen Seligman (Stellan Skarsgård) ihre erotische Reise von der Geburt bis zum Alter von 50 Jahren. In acht Kapiteln wird ihr Leben in Rückblicken gezeigt, die Parts der jungen Joe werden von Stacy Martin gespielt. So trifft Joe beispielsweise auch auf ihren Chef Jerôme (Shia LaBeouf) oder die junge P (Mia Goth). Der Film soll 2013 in die deutschen Kinos kommen.

Ein Pornofilm sei „Nymphomaniac“ übrigens nicht, stellte der gut gelaunte Skarsgård klar. Das sei nur ironisch gemeint. Dennoch gehe es natürlich um eine Frau und ihre Sexualität, betonte Produzentin Vesth. Die Sex-Szenen würden aber zumeist von Doubles gespielt. Zwar ist das Team international besetzt – die Schauspieler kommen unter anderem aus den USA, aus Frankreich und aus Schweden –, die Filmsprache aber ist Englisch.

Charlotte Gainsbourg besucht die Familie und Shia LaBeouf freut sich auf Sex

Auch wenn den Filmstars das kalte Ambiente der ehemaligen Lernbehinderten-Schule nicht gefiel, schwärmten sie von Köln, wie die Kölnische Rundschau zu berichten wusste. Nur Gainsbourg fahre an drehfreien Tagen nach Hause zu ihrer Familie, erzählte sie. Martin aber berichtete, sie habe sich schon Museen in der Stadt angesehen und LaBeouf schwärmt von den hiesigen Parkanlagen, die er in den Drehpausen auf seinem Rad in und um Köln erkundet. Verschmitzt gesteht er in einem Interview für MTV, sich schon auf die anstehenden Sexszenen zu freuen. "Der Film entspricht dem, was Sie sich darunter vorstellen. Das Drehbuch kommt mit einer Warnüberschrift, die sinngemäß besagt 'Wir planen echten Sex am Set'." Seit Ende August laufen die Dreharbeiten und die sind insgesamt auf elf Wochen angelegt. Neben knapp zwei Wochen im belgischen Flandern werden die restlichen Szenen in Köln und der Region gedreht. Deswegen fördert die Film- und Medienstiftung NRW das Werk mit 1,2 Millionen Euro – die inzwischen sechste Zusammenarbeit mit Lars von Trier.

Ein Mediencoup und eine große Beachtung auf dem Filmmarkt gelang Lars von Trier mit seinem "Dogma 95"-Manifest, das er damals zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort der Presse vorstellte. Am 20. März 1995, dem 100. Geburtstag des Films, warf von Trier einen Haufen Flugblätter mit dem Dogma-Manifest vor die versammelte Presseschar im Pariser Odeon-Theater. Darin forderte er unter anderem größtmögliche Authentizität und Spontanität von Schauspielern, den Verzicht auf nachträgliche Schnittbearbeitung und Rückblenden, oder dass keine künstliche Inszenierung das realistische Script verfälsche. Dafür wurde die Dogma-Bewegung 2008 um von Trier, Vinterberg, Levring und Kragh-Jacobsen mit dem Europäischen Filmpreis in der Kategorie 'Beste europäische Leistung im Weltkino' bedacht. Mittlerweile ist von Trier längst wieder von diesen strengen, dogmatischen Vorgaben abgewichen, ohne den ungeschminkten, oft hyperrealen Kammer- und Laienspiel artigen Charakter seiner Filme aufzugeben.

Lars von Trier gilt als „Enfant terrible“ der Filmindustrie. Bereits sein Dogma-Film 'Die Idioten/Idioterne' von 1998 sorgte mit einer Kombination aus expliziten sexuellen Darstellungen und dem provozierenden "Irrsein" der Figuren für einen internationalen Skandal. Auch sein Werk 'Antichrist' wurde aufgrund der expliziten und extrem gewalttätigen Darstellung kontrovers diskutiert. Die Welt nannte ihn den „meistgehassten Film“ des Jahres. Von Trier gab an, seit längerer Zeit unter Depressionen gelitten zu haben und dieses in seinen Filmen zu verarbeiten. In Cannes hatte er wiederholt mit pornografischen oder gewalttätigen Szenen in seinen Filmen oder mit kontroversen Äußerungen provoziert.

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